Prüfung Psychologie

Schon am vergangenen Donnerstag war meine Psychologieprüfung.
Am FB Psychologie beginnen alle Prüfungen mit einem 10-Minütigen Vortrag. Das Thema ist durch den Prüfling frei wählbar, weil es nicht um den Inhalt, sondern die Art der Vermittlung geht. Ich wählte das Thema „Weblogs und Schule“. (Info für mein Testpublikum: Habe noch einiges angepasst 😉 .) Im Anschluss an die Prüfung folgte eine 5-Minütige theoretische Prüfung zum Vortrag der vergangenen 10 Minuten. Danach folgten Fragen zu vier Büchern/Unterrichtsmitteln die ich aus einem Bestand von ca. 30 Materialien aus dem Bereich Beratung und Training ausgewählt hatte.
Aus persönlichem Interesse wählte ich:

  1. Redlich, Alexander: Kooperative Gesprächsführung in der Beratung von Lehrern, Eltern und Erziehern (1987)
  2. Stagge, Carsten: „Mit der Gans über den Weihnachtsbraten reden.“ Ãœber den erfolgreichen Umgang mit schwierigen Situationen bei Veränderungsprozessen in Organisationen. (1997)
  3. Grobe/Mehte/Tönsing/Wulf: Vier Praxishilfen
    Coaching mit dem inneren Team, Qualitätssicherung (Altenpflege), Organisationsentwicklung (Krankenhaus), Konfliktmanagement (Filmregie).
    Ein Sammelband.
  4. Bönsch, Marion und Zach, Kathrin: Seminarkrisen meistern – Erste-Hilfe für Trainer, Lehrer, Vortragende (2006)

Einige Dinge fand ich besonders interessant und möchte sie hier deshalb kurz darstellen.
Aus 1)

Kooperative Gesprächsführung

Die Abbildung stellt acht Verhaltensweisen im Zusammenhang dar. Sie werden hier zwar unterschieden und getrennt vermittelt, im Beratungsprozeß greifen sie ineinander und bilden eine Gesprächsführung „aus einem Guß“.

Kooperative Gesprächsführung
Wir gehen davon aus, dass der Berater zu einer guten Verständigung mit dem Klienten beiträgt, wenn es ihm gelingt, zwei schwer miteinander vereinbare Aufgaben auszubalancieren. Er sollte den Klienten einfühlend verstehen und gleichzeitig den Beratungsprozeß aktiv leiten.

„Verstehen“ meint im zweifachen Sinne des Wortes, einerseits die Wahrnehmungen, Gedanken, Gefühle, Wertvorstellungen, Motive und Handlungen des Klienten zu begreifen und sie andererseits ohne Vorbehalte zu akzeptieren. Für diese Aufgabe werden dem Berater hier vier Verhaltensweisen vermittelt:

  • Zuhören
    Wenn der Klient frei und verständlich spricht und der Berater ihm folgen kann, sollte er vorwiegend den Schilderungen lauschen und zum Fortfahren ermutigen.
  • Fragen
    Wenn die Klientenäußerung missverständlich sind, sollte der Berater durch offene Fragen zur Präzisierung von Sachverhalten, Gedanken und Gefühlen beitragen.
  • Gedanken wiedergeben
    Zur Klärung von Vorstellungen und Gedanken trägt der Berater bei, indem er die Äußerungen des Klienten mit eigenen Worten, aber möglichst unverfälscht, wiederholt.
  • Gefühle wiedergeben
    Soweit Gefühle das Denken und Handeln des Klienten bezüglich des Beratungsthemas berühren, kann der Berater durch ihre Verbalisierung zur Klärung verhelfen.

Durch diese Verhaltensweisen lenkt der Berater den Verständigungsprozeß nur wenig. Im Sinne eines zügigen Problemlösungsprozesses muß er aber in den meisten Fällen aktiver werden und die Beratung leiten. Dazu dienen folgende Elemente:

  • Strukturieren
    Um kooperativ vorzugehen, muß die Vorgehensweise für den Klienten transparent sein. Um zu gemeinsamen Absprachen zu kommen, fasst der Berater am Ende eines jeden Handlungsschrittes die Ergebnisse des letzten Abschnittes zusammen und bietet weitere Vorgehensweisen an.
  • Lösungswege anbieten
    Für die Lösung bestimmter Probleme gibt der Berater erziehungspsychologische Prinzipien an und schlägt entsprechende Methoden vor, aus denen sich der Klient passende auswählen oder an denen er eigene entwickeln kann.
  • Stellung nehmen
    Auch der Berater hat im Zusammenhang mit dem Beratungsthema eigene Vorstellungen, Gedanken und Gefühle. Er sollte in der Lage sein, diese in angemessener Form in der Beratung zu äußern und damit zur Problemlösung beizutragen.
  • Beziehungen klären
    Der Berater thematisiert offen die Beziehungen zum Klienten, wenn hier Unklarheiten und Mißverständnisse auftreten.
  • Es kann in einer Beratung vorkommen, dass man über einen längeren Zeitraum vorwiegend in einer bestimmten Weise kommuniziert, z.B. Gefühle wiedergibt oder offene Fragen stellt. In der Regel läuft die Beratung aber im raschen Wechsel mehrerer Verhaltensweisen ab. Hierfür kann es keine allgemein gültigen Regeln geben. Das wichtigste Kriterium für die Angemessenheit des Gesprächsverhaltens eines Beraters sind immer die unmittelbaren und langfristigen Reaktionen des Klienten. Der Berater kann sich viele Fehler „leisten“, wenn er sich nach den Reaktionen des Klienten richtet und sein Verhalten dementsprechend anpasst.

Aus 2)

Umgang mit schwierigen Situationen bei Veränderungsprozessen in Organisationen

Bedarf für Beratung entsteht aus Soll-Ist-Diskepanz.
Was muß für die jeweiligen Rollen berücksichtigt werden?
Berater

  • Prozeßberatung (Hilfe zur Selbsthilfe, Berater ist Methodenfachmann) vs. Einkaufsberatung (Einkauf von Expertenwissen ->Problem bzw. Bedarf ist bekannt) vs. Arzt-Patienten Modell (Diagnose und Therapie kommen vom Berater dem auch die komplette Verantwortung übertragen wird).
  • Akzeptanz des Beraterselbstverständnisses
  • Schaffen von Glaubwürdigkeit -> Mitbestimmung und Partizipation und Bildung und Kommunikation
  • Erhalten von Allparteilichkeit
  • Ausreichende Würdigung bisherigen Klientenverhaltens
  • Einlassen vs. Abgrenzen
    (s. Wertequadrat)
    Wertequadrat Kontakt-Distanz

Betroffene Mitarbeiter

  • Mangelnde Veränderungsbereitschaft und fehlendes Problembewusstsein
  • Die Beteiligung der Betroffenen als Problem
  • Umgang mit Ängsten und Entlassungen
  • Umgang mit mangelnder Zeit für Veränderungen
  • Sandwichposition mittleres Management

Die obere Führungsebene

  • Vorstand ins Boot holen – Vorstand in den Prozeß einbinden
  • Gestaltung des Ãœbergangs von alter zu neuer Organisation
  • Veränderte Anforderungen an die Führung

Bei aller Prozeßdynamik ist es wichtig eine optimale Prozessgeschwindigkeit zu finden, so dass weder das gefühl entsteht der Prozeß versande nach und nach, oder es wird in einer art „Hau-Ruck Aktion“ umgesetzt.

Stagger berichtet dann vom Mythos Widerstand zu dem er das ProzeßHürden Modell entwickelte.
ProzeßHürden Modell
Phase 4 ist das Herzstück des Prozesses!
Größte Schwierigkeiten sind:
Mangelnde Veränderungsbereitschaft
Mangelnde Zeit der Organisationsmitglieder für Veränderungen
Veränderte Anforderungen an die Führung
Erreichen und halten einer optimalen Veränderungsgeschwindigkeit

Für die Prozeßberatung stellt er folgende Faustregeln zusammen:

  • Verständigung schaffen statt Vorwürfe machen.
  • Die eigenen Anteile als Berater an der Situation kritisch prüfen
  • Die Grenzen von Beteiligung klar aufzeigen und die Interessen (-gegensätze) beherzt benennen.
  • Die Ängste vor Veränderung dämpfen und den Leidensdruck durch die jetztige Situation stärken.
  • Beteiligte zum Handeln bringen.

Aus 4)

Seminarkrisen meistern

Basiskompetenzen für schwierige Situationen

  • Die Wahrheit der Situation benennen
  • Selektive Authentizität berücksichtigen
  • Die Definitionsfreiheit des Trainers nutzen
  • Verantwortung teilen
  • Struktur und Flexibilität zulassen
  • Das eigene Trainer-Selbstverständnis kennen
  • Aktiv zuhören
  • Stellung beziehen
  • Supervision und Selbsterfahrung nicht vergessen
  • Arbeitsfähigkeit erhalten
  • Umgang mit dem >>Schreck< < (soll heißen: Erwarte das Unerwartete)

OK, das soll für meine Leser als Auszug und für mich als Gedankenstütze reichen. Der nächste Eintrag wird auch wieder etwas kürzer.

An diesem Tage...

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